Neuster Beitrag, unterwegs
Schreibe einen Kommentar

Scheitern oder gewinnen?

Leben als Künstlerin Musikerin und Sängerin

Warum ich damals aufgehört habe Musik zu machen!

Es gab eine Zeit, da war es mein größter Wunsch durch die Gegend zu fahren, dauernd auf der Bühne zu stehen und möglichst viele Giganfragen im E-Mail Ordner vorzufinden.

Davor gab es eine Zeit, da hatte ich so großes Lampenfieber, dass ich mich nach den ersten zwei Songs schon wie nach einem Marathonlauf gefühlt habe – und dann gab es plötzlich eine Zeit, in der ich immer wieder das Gefühl hatte, ich muss mich ständig verausgaben. Ich hatte ein Gefühl von „Druck im Hals“ … jede kleinste Differenz im Proberaum, Dinge die eigentlich locker hätten besprochen werden können und zum work in progress gehören, endeten im Proberaum mit Streit.

Warum war das so? Heute denke ich, es kamen viele Faktoren zusammen. Unsicherheiten, das Gefühl nicht für das anerkannt zu werden, was man macht, wofür man täglich so viel Kraft aufwendet und dann zum Schluss eben auch die Maßeinheit für Anerkennung, zumindest wenn es ums Business geht, zu wenig Geld für jede Menge Output und Arbeit.

Aber fangen wir bei der Vision, dem Traum an. Seit dem ich denken kann, wollte ich Sängerin werden. Angefixt durch die ABBA Platten meiner Eltern, fand’ ich funky Outfits und Frontfrauen, die zweistimmig hookige Pop Songs singen, einfach klasse! Bis heute natürlich ;). Diese Vision sollte mit ihrer Verwirklichung und der Personifizierung durch mich allerdings noch lange dauern. Denn weder eine Schulband, noch ein Chor noch sonstige musikalische Aktivitäten waren mit meiner Pubertät zu vereinbaren. Ich wollte nur cool sein, nichts von mir zeigen und rebellieren, zumindest ein bisschen. Als Vocalist muss man aber mutig sein, mutig etwas von sich zu zeigen – am besten die tiefsten und ehrlichsten Gefühle eben Dinge vom Abgrund oder kurz vor dem Abheben. Dazu war ich nicht bereit, sogar später, als ich dann wirklich auf der Bühne stand, war ich nicht wirklich bereit dazu.

Eigentlich wuchs der Wunsch dann erst wieder, als es in meinem direkten Umfeld eine Menge Leute gab, die plötzlich erfolgreich mit ihrer Musik wurden. Und nachdem ich eine Weile in der Weltgeschichte unterwegs war, sich der Wunsch wieder zu mir an die Oberfläche durchgeboxt hatte und ich nach der Rückkehr im Medienbunker in Hamburg dann tatsächlich an der Hamburg School of Music mit den Fächern Populargesang angenommen wurde, bekam das Ganze ein Gesicht und meine Leben wurde das Leben einer Sängerin.

Beziehungsweise es wurde professionell und es gab eine Menge an Fächern: Rhythmik, Harmonielehre, Stage Performance, Band, Komposition etc. und immer wieder die Herausforderung gut zu sein, zu überzeugen – ABZULIEFERN! Das wurde mir, glaube ich jetzt im Nachhinein zum Verhängnis. Versteht mich nicht falsch, ich liefere gern ab und liebe es auch wenn Leute zur rechten Zeit korrekt abliefern – aber ich logischerweise kann man auch nur abliefern wenn man komplett hinter der Sache steht. Und da fing für mich persönlich das Dilemma an! Ich musste abliefern und zwar, auf Grund von ständigem Lernen, Verbessern und Optimieren, musste es hier auch eine rapide Steigerung geben. Aber wo bleiben die Pausen? Das Innehalten? Was genau ist so wichtig immer weiterzumachen.

Ich kann für mich sagen, ich kam bei dem Konzept Schule/Musikschule „Kunst lernen“ nicht hinterher. Das ist auch der Grund, warum ich die fortschreitende Vereinfachung der Aufnahmemöglichkeiten in der Musik sehr begrüße. Im Grunde reicht es eine gute Idee zu haben und erste Fähigkeiten, eine überschaubare Technik für die Versuche, die zur Erfindung und Findung des eigenen Stils notwendig sind, selbst in die Hand zu nehmen. Es gibt heutzutage Künstler, die mit einer Selbstverständlichkeit ihre Kunst ernst nehmen und durch das einfach machen, es einfach machen. Dadurch entwickelt sich die Seele des Künstlers, es gibt dem Ganzen Zeit im Rahmen von Möglichkeiten, ob durch viel Technik oder einfach nur mit einem Instrument, einen alter Ego zu entwickeln der stark ist, auf der Bühne zu bestehen und zu strahlen. Dinge eben, für die eine Beyoncé ihre ganze Jungend, unter höchst professionellen und entbehrenden Umständen, sehr gut für sich verstanden hat und jetzt eine Künstlerin ist, die weiß, was sie kann und wie sie das Beste aus sich herausholt. Oder junge Frauen wie z.B. Dillon, die an ihrer Gefühlswelt par excellence teilhaben lassen und jemanden gefunden haben, mit dem sie ihre Vision umsetzen und professionalisieren können.

Ich bin gespannt, wie es die anderen aus meiner damaligen Band es heute sehen. Sie alle machen bis heute Musik. Zum Teil sogar erfolgreich! Und da ich bei der Antwort auf die Frage nach dem Glück immer noch auf Suche bin, nutze ich YUME. dafür, meine alten Weggefährten hier vorzustellen und Euch ihren künstlerischen Output näher zu bringen. Es wird also Kaffee, Kuchen und Musik geben. Ich freue mich darauf und als erste darf ich die Sänger Sarah Jane McMinn bei YUME. vorstellen. Happy to have her, excited to meet her and curious about was sie über früher, heute und die eigene Inspirationquelle denkt.

Watch out, let the music play.

Ahoi und alles Liebe,
Merle ♥

Text: Merle Fesche
Foto: Kathleen Haase